Stimmen aus der Politik

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Dieter Gebhard (67), lebt in Gelsenkirchen-Buer und war vor seiner Pensionierung als Studiendirektor am ortsansässigen Max-Planck-Gymnasium tätig. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Seine Hobbys sind Literatur, Musiktheater, Kabarett und Schalke 04. Bereits seit 1975 übt er für die SPD verschiedene Ämter in der Kommunalpolitik aus, um Entwicklungs- und Veränderungsprozesse in seiner Heimatkommune sowie in Westfalen-Lippe mitgestalten zu können. Seit 1984 ist er Mitglied und seit Januar 2010 Präsident des Westfalenparlaments.

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Da alle Menschen unterschiedlich sind, gibt es keine einheitliche beziehungsweise ideale Form des Wohnens. Einige werden eher allein, andere in Gemeinschaft leben wollen. Die LWL-Landschaftsversammlung legt Wert darauf, dass Menschen mit Behinderungen eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnmöglichkeiten angeboten werden, bei denen sie nach ihren Bedürfnissen unterstützt werden. Dabei steht für mich an vorderster Stelle die Selbstbestimmung, die auch Menschen mit Behinderungen nur erreichen können, wenn sie selbstständig wohnen können.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Seit dem Jahr 2003 entwickelt der LWL das Ambulant Betreute Wohnen flächendeckend in Westfalen-Lippe, zunehmend auch für Menschen mit hohen Hilfebedarfen. Wir wollen nicht, dass sie in andere Regionen geschickt werden – unser Ziel ist es, dass es in jeder Stadt und in jedem Kreis ein ausreichendes Angebot gibt. Allerdings müssen wir auch sicherstellen, dass keine Wohnangebote entstehen, die nicht erforderlich sind. In Zukunft werden wir zudem noch stärker daran arbeiten, neue Modelle zu entwickeln.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Eine Voraussetzung wäre, dass alle Menschen die gleichen Leistungen erhalten können. Das alleine wird aber nicht ausreichen. Ein generationsübergreifendes Miteinander fällt auch Menschen ohne Behinderung im Alter schon äußerst schwer. Kommt eine lebenslange geistige Behinderung hinzu, ist das erheblich schwieriger – denn im Regelfall fehlen enge jüngere Angehörige, auch, weil Freunde, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen häufig selbst eine Behinderung haben. Der LWL muss in diesem Zusammenhang leistungsfähig sein – und unsere Gesellschaft muss offen sein für Menschen mit Behinderungen, weil sie in unsere Mitte gehören.

Eva Irrgang (60) ist seit 2007 Landrätin des Kreises Soest. Sie wurde am 25. Mai 2014 wiedergewählt. Der Kreistag entsandte sie 2004 in die Landschaftsversammlung. Seit 2010 leitet sie die CDU-Fraktion. Eva Irrgang ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Wickede/Ruhr. Ab 1994 engagierte sie sich als CDU-Ratsmitglied und Kreistagsabgeordnete. Sie übernahm Verantwortung als Vizelandrätin, Vizebürgermeisterin und als CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende.

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Menschen mit Behinderung haben genauso wie Menschen ohne Behinderung unterschiedliche Lebensvorstellungen – auch im Alter. Dazu können Einzelwohnungen genauso wie das Altwerden in einer Wohngruppe gehören. Uns ist wichtig, dass alle Menschen in ihrem Wohnort bedarfsgerechte Angebote der Pflege und gegebenenfalls der Wohnbetreuung vorfinden, mit denen sie ihre Lebensvorstellung umsetzen können.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Der LWL hat in den letzten Jahren intensiv das Ambulant Betreute Wohnen entwickelt. Dies ist auch ein Angebot für Menschen mit Behinderung im Alter. Zusammen mit den Kreisen und kreisfreien Städten geht es uns darum, dass die Angebote der Altenhilfe und der Behindertenhilfe zusammenrücken. So können inklusive und kostengünstige ortsnahe Lösungen in den Gemeinden, Städten und Stadtteilen gefunden werden. Hier sieht man, dass der LWL gute Beiträge liefert, aber auch große Herausforderungen vor sich hat.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Die Nachbarschaften und die Gemeinden und Städte müssen in der Tat Inklusion auch umsetzen. Das gilt insbesondere für das Thema Alter. Wir schlagen vor, dass sich die Altenhilfe und die Behindertenhilfe stärker vernetzen, um gemeinsam Angebote für Menschen mit und ohne Behinderung im Alter zu entwickeln. So lässt sich auch ehrenamtliches Engagement gut einbinden.

Holm Sternbacher ist Kriminalbeamter a.D.. Der 67-Jährige wurde in Hamburg geboren und lebt in Bielefeld. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter sowie drei Enkeltöchter. Seit 1994 arbeitet er für die SPD im Rat der Stadt Bielefeld und ist als Bezirks-Bürgermeister für rund 48.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Ansprechpartner im Stadtbezirk Heepen. Sich als Kommunalpolitiker zu engagieren, findet Sternbacher spannend und bürgernah.

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Ideal wäre es, wenn man im Alter möglichst lange in seinem gewohnten Umfeld wohnen bleiben kann. Sollte aus irgendwelchen Gründen ein Umzug zwingend notwendig sein, muss der neue Lebensmittelpunkt zumindest in räumlicher Nähe sein. Die technische Unterstützung wird sich erheblich weiterentwickeln und damit zu einer höheren Lebensqualität im Alter auch und besonders für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen beitragen.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Um das zu erreichen, haben wir jetzt ein zweites Bauprogramm auf den Weg gebracht, mit dessen Hilfe ganz besonders Wohn- und Hausgemeinschaftsprojekte in bestehenden oder sich entwickelnden Wohnquartieren realisiert werden sollen. Ich sehe den LWL sozusagen als „Brutkasten“ für neue Ideen an. Ich bin davon überzeugt, dass es möglich ist, Wohnungen für Menschen mit einem besonderen Hilfebedarf technisch so auszustatten, dass sie darin selbstständig leben können. Diese neuen Konzepte können auch zeigen, ob es möglich ist, auf andere als professionelle Hilfestrukturen zurückzugreifen. Daraus müssen wir lernen und andere zur Nachahmung ermuntern.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Es muss selbstverständlicher werden, dass bei der Entwicklung neuer Wohnquartiere die Bedürfnisse von jungen und alten Menschen mit und ohne Hilfebedarf einfließen. Das betrifft die Planung – aber ebenso notwendig ist es, die ambulante Wohnangebote weiter voranzutreiben, um mehr Menschen mit höheren und sich wegen des Alters auch ändernden Hilfebedarfen das Wohnen in den eigenen Räumlichkeiten zu ermöglichen. Das bedeutet auch, dass Menschen mit Behinderungen im Alter die gleiche finanzielle Hilfe zur Pflege wie Menschen ohne Behinderungen erhalten müssen.

Martina Müller (59) lebt in Arnsberg, Hochsauerlandkreis. Sie ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder. Die Diplom-Agraringenieurin ist seit 1984 bei den GRÜNEN aktiv, seit 1991 in der Fraktion der LWL-Landschaftsversammlung. Sie war Vorsitzende des Umweltausschusses und ist seit 2010 als Fraktionssprecherin tätig. Heinz Entfellner (69) ist seit 1984 Mitglied der GRÜNEN und seitdem kommunalpolitisch aktiv, u.a. im Rat der Gemeinde Leopoldshöhe sowie im lippischen Kreistag. Der Diplom-Psychologe gehört seit 1994 – mit einer Unterbrechung – der Landschaftsversammlung an, mittlerweile zwölf Jahre als einer der beiden Fraktionsvorsitzenden. Heinz Entfellner lebt in Leopoldshöhe im Kreis Lippe und hat fünf erwachsene Kinder.

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Jeder Mensch sollte selbstbestimmt und mit gesellschaftlicher Teilhabe leben können und die konkrete Ausgestaltung selbst entscheiden. Die Kriterien dafür sind: Ist die Wohnung barrierefrei zugänglich und den Einschränkungen entsprechend gestaltet beziehungsweise fortschreitend gestaltbar? Sind die notwendige Infrastruktur und Hilfen selbständig erreichbar? Gibt es Möglichkeiten zum sozialen Austausch, zum Beispiel Nachbarschaftshilfe? Darüberhinaus kann Gegenseitigkeit, also auch Erfahrungen und Hilfen einzubringen, die Selbstachtung und Wertschätzung stärken.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Wir setzen auf den Wandel von stationären Großeinrichtungen in eine inklusive Gesellschaft, in der niemand ausgegrenzt wird. Dazu gehört ein Ausbau der Möglichkeiten ambulant betreuten Wohnens und der Mut, diesen Weg auch für schwerstmehrfachbehinderte Menschen zu gehen. Dazu ist es erforderlich, entsprechenden Wohnraum in den Quartieren zu entwickeln, aber auch mehr Fachleistungsstunden im ambulanten Bereich zu übernehmen und eine unterstützende Infrastruktur aufzubauen.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Wir müssen uns umeinander kümmern. Gesellschaftliches Zusammenleben darf sich nicht darauf beschränken, wen man für unterstützende Dienste bezahlt. Achtsamkeit und Toleranz sowie ein Abbau der Distanz zur Andersartigkeit müssen professionelle Unterstützung ergänzen und in Nachbarschaftshilfe münden. Das geht einher mit der Erkenntnis, dass auch Menschen mit Unterstützungsbedarf viel zu geben haben. Die Humanisierung der Arbeitswelt muss inklusiv gedacht werden, auch im Sinne von Technikunterstützung und Zeitsouveränität.

Rolf Kohn, Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der LWL-Landschaftsversammlung ist 61 Jahre alt, verheiratet und hat sieben Kinder. Er wohnt in Recklinghausen und ist dort Mitglied im Kreistag. Rolf Kohn arbeitet als Koordinator für die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstbestimmte Behindertenpolitik der Partei DIE LINKE in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin. Barbara Schmidt (62 Jahre), Sprecherin der Fraktion Die Linke, ist Historikern und Soziologin. Sie wohnt in Bielefeld, ist dort Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Rat. Sie arbeitet als Büroleiterin und ist Mitglied im Vorstand des Städtetages Nordrhein-Westfalen.

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Ich überlege eher, wie ich in 30 Jahren wohnen will. Die Haltestelle vor der Haustür, der Bahnhof in der Nähe, das ist absolut notwendig. Eine helle barrierefreie Wohnung mit einem großen Zimmer will ich, damit Freunde kommen können. Vor dem Haus sollte der Garten sein, mit Hochbeeten und Platz zum Sitzen in der Sonne. Klar, es wäre toll, wenn die Kinder in der Nähe wohnten. Mein Arzt sollte auch Hausbesuche machen. Da meine Augen nicht mehr gut sind, wären gut gekennzeichnete Wege oder überall große Schrift wichtig, damit ich rauskomme. Roboter – bitte nein – ich brauche den Kontakt zu Menschen.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Selbstbestimmtes Leben erfordert barrierefreie Wohnungen. Mit dem 10-Millionen-Programm kann der LWL zeigen, wie bei einer intensiven Unterstützung alle Menschen zu Hause wohnen können – ein Leuchtturmprojekt, das den Bedarf nicht decken wird. Wollen wir „Daheim statt Heim“ für alle verwirklichen, brauchen wir bedarfsgerechte und individuell abgestimmte Assistenz im Alltag, das Persönliche Budget. Der geplant Abbau von Standards bewirkt das Gegenteil.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Mit dem Masterplan altengerechte Quartiere hat die Landesregierung ein Konzept vorgelegt – allein die notwendigen Mittel für eine flächendeckende Umsetzung stellt sie aber nicht bereit. Notwendig wäre zum Beispiel der Bau von 100.000 barrierefreien und bezahlbaren Wohnungen im Jahr. Notwendig wären Investitionen in den Erhalt und den Ausbau von sozialer und barrierefreier Infrastruktur im Stadtteil, von CAP-Märkten bis zur Bibliothek, von der Verwaltungsstelle bis zur ärztlichen Versorgung.

Stephen Paul (44) wurde in Herford geboren, wo er auch mit seiner Frau und den gemeinsamen beiden Kindern lebt. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Politik-, Kommunikations- und Angewandte Kulturwissenschaft und arbeitet als selbständiger Berater und Trainer in einer Gesellschaft für Personalentwicklung (Fa. com motus). Paul ist seit 28 Jahren Mitglied der FDP, seit 18 Jahren Mitglied des Kreistages Herford, seit 13 Jahren Mitglied der LWL-Landschaftsversammlung und seit zwölf Jahren Fraktionsvorsitzender der FDP-FW-Fraktion.

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Idealerweise wohnt jeder Mensch solange es geht selbstbestimmt. Wenn nötig, gewährleisten Verwandte oder Freunde die beste Versorgung. Das Miteinander von Jung und Alt prägte ja viele Jahrhunderte unsere Gesellschaft. Kein Pflegedienst und keine Technik werden mit so viel liebevoller Fürsorge älteren Menschen helfen, wie es Familienangehörige gewöhnlich tun. Viele Familien leben aber heute nicht mehr so nahe beieinander. Auch sind die pflegenden Angehörigen oft selbst schon älter und mit der Aufgabe überlastet. Daher sollte jeder älter werdende Mensch überlegen, ob seine bisherige Wohnform zukunftsfit ist und sich über Hilfen informieren.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Die behinderten Menschen sollen möglichst in der Gegend wohnen bleiben können, wo sie zuhause sind. Dafür brauchen wir subsidiär konzipierte Wohnformen, die in bestehende dörfliche Strukturen und Stadtteile eingebettet sind. Menschen helfen dort einander und leben nicht neben- sondern miteinander. Auf diese Weise wird die Erledigung der Alltagsgeschäfte für die meisten behinderten Bewohner möglich bleiben und ein weitgehend selbstbestimmtes Leben fortgeführt werden können. Sollte ein Wohnortwechsel unvermeidbar sein, soll der LWL unterstützen, dass sich die betroffenen Menschen in ihrem neuen Umfeld schnell einleben können.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Die Verantwortung für Mitmenschen ist in unserer Gesellschaft immer mehr auf den Staat übertragen worden. Generationenübergreifendes Zusammenleben wird nur dann gelingen, wenn die Übernahme von Verantwortung füreinander wieder gelebt wird. Was kann Politik dafür tun? Beispielsweise steuerliche Anreize geben. Sofern diese wirken, wird es noch Zeit brauchen, um spürbare Erfolge zu erreichen.

Sven Sladek (46) ist IT-Berater, war Landesvorsitzender der Piratenpartei NRW und hat an vielen der sozialpolitischen Aussagen im Grundsatz- und in den Wahlprogrammen mitgearbeitet. Er sitzt im Stadtrat in Soest, ist als ehrenamtlicher Betreuer tätig und engagiert sich in den Bereichen Soziales und Stadtentwicklung sowie Bürgerbeteiligung und Transparenz.

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Der Mensch steht im Mittelpunkt. Das ist für uns Piraten nicht nur hohle Phrase, sondern Programm. Wir denken nicht, dass es richtig ist, die eine oder die andere Wohn- oder Pflegeform für ältere, eingeschränkte Mitmenschen vorzuschreiben. Es steht den Pflegebedürftigen frei, ob sie sich von einem Menschen bei der Hygiene helfen lassen möchten oder aus Schamgefühl doch lieber die Hilfe eines Pflegeroboters in Anspruch nehmen, ob sie ihren Lebensabend im Kreise ihrer Familie verbringen möchten, allein mit einer ambulanten Pflege oder in einem Heim, in dem das Personal sich rund um die Uhr kümmern kann. Ob auf dem Land oder in der Stadt oder zum Abschluss in der weiten Welt – jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen über den finalen Lebensabschnitt.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Die Aufgabe der Politik – und damit auch unsere – ist es, diese höchst individuellen Ansprüche aufzunehmen, zu verstehen und für ihre Umsetzung in den Verwaltungen zu sorgen. Der LWL ist finanzieller Träger vieler Wohnheime und auch ambulanter Hilfsangebote. Dieses Angebot muss in seiner Vielfältigkeit erhalten bleiben, und es muss für die Betroffenen einfach sein, an diese Leistungen heranzukommen. Dafür setzen wir uns ein.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Der wichtigste Aspekt im generationsübergreifenden Zusammenleben ist wohl: Es muss einfach sein. Bürokratische Hürden gilt es abzubauen, Hilfen müssen einfach verfügbar sein. Zum generationsübergreifenden Zusammenleben zählen Kinder wie Alte gleichermaßen. Für alle muss es zudem möglich sein, ambulante oder stationäre Hilfe in Anspruch zu nehmen, auch wenn die Betreuenden zum Beispiel einfach nur mal eine Auszeit benötigen.

Rainer Peitz (59), ist Sprecher der Gruppe AfD in der LWL-Landschaftsversammlung, seit 2014 dort Mitglied und bringt sich im Gesundheits- und Krankenhausausschuss, im Kulturausschuss und im Ältestenrat ein. Rainer Peitz lebt in Wetter im Ennepe-Ruhr-Kreis, wo er auch als Mitglied des Stadtrats aktiv ist.

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Im Wissen um die große Streuung von körperlichen, geistigen und seelischen Einschränkungen, die Mitmenschen beeinträchtigen können, halte ich es für wichtig, dass es differenzierte Wohnangebote gibt.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Die Gruppe der AfD in der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe begrüßt die Erprobung von Wohnformen, wie sie das Zweite Programm zur Förderung von Wohnraum für intensiv ambulante Wohnkonzepte des LWL vorsieht, ausdrücklich. Im Rahmen des Programms können wertvolle Erkenntnisse für zukünftiges Wohnen für Menschen mit und ohne Behinderungen gewonnen werden.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Wir legen großen Wert auf die soziale Einbindung der betroffenen Bürger in ihr Umfeld – oft unterstützen dies deren Familien. Wir wünschen, dass Verwaltung und Politik insoweit auch bei der Entwicklung von Wohnraum der UN-Behindertenrechtskonvention folgen, die auf deren Schutz- und Unterstützungsbedürftigkeit durch Gesellschaft und Staat verweist. Dies gilt insbesondere, damit Menschen mit Behinderungen und ihre Familien ihre Rechte voll und gleichberechtigt wahrnehmen können.

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