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Kapitel

Die Promenade des Phoenix Sees

Wohnen – Wie wollen wir leben?

Ausblick:
Beste Wohnmöglichkeiten für alle

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Möglichkeiten und Risiken des technischen Fortschritts

Technik und Digitalisierung bestimmen unser Leben seit Jahren. Vor allem in den Medien, in unzähligen Reportagen, Berichten und Diskussionsrunden wird stets versucht, aus unterschiedlichen Perspektiven greifbar zu machen, wie und mit welchen Folgen Technik unser Leben beeinflusst. Manche der Autoren etwa preisen Roboter mit Künstlicher Intelligenz, andere schlagen eher einen warnenden Ton an, wenn sie Google, Facebook & Co. genauer unter die Lupe nehmen. Kurzum: Technik kann unterstützend und bereichernd sein, uns aber auch entgleiten oder kontrollieren. In jedem Fall betrifft das Thema Technologie und das, was sie jetzt und in Zukunft bewirkt, jeden von uns.

Von MATTHIAS LÖB

Der LWL widmet sich in diesem Dossier einem wichtigen Ausschnitt aus dieser großen und vielfältigen Debatte: dem Thema „Wohnen“. In den eigenen vier Wänden finden Menschen Geborgenheit und zugleich Freiheit und Selbstbestimmung, können ihr Umfeld gestalten, sich zurückziehen, aber auch ihre Türen öffnen – ganz nach Wunsch. Auch und gerade Menschen mit schweren Behinderungen haben diese Bedürfnisse, weil sie ein ebenso selbstbestimmtes und selbstständiges Leben führen wollen wie andere. Für sie kann Technik daher sogar besonders wichtig sein, was nicht zuletzt an der zunehmenden Zahl technischer Innovationen in diesem Bereich abzulesen ist, die längst im breiten Einsatz sind: Die Entwicklungen reichen von smarten Rollstühlen über Notrufsysteme, Pflegebetten und Sprachcomputern bis hin zu intelligenter Gebäudetechnik, automatischer Herdabschaltung oder Bewegungsmeldern am Bett und im Bad.

Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Als einer der größten Sozialhilfezahler für Menschen mit Behinderung in Deutschland haben wir, der LWL, ein ganz besonderes Interesse an diesem Thema. Wir suchen nach den besten Lösungen beim Wohnen für die Menschen, für die wir verantwortlich sind. Dazu beteiligen wir uns zum Beispiel als gleichberechtigter Partner an Forschungsprojekten, pflegen einen engen Austausch mit den Wissenschaftlern der Universitäten, planen und bauen Wohnheime mit Technikunterstützung – und unterstützen Wohnprojekte ideell wie finanziell.

Um die Zusammenhänge dahinter noch besser verständlich zu machen, haben wir in diesem Dossier Meinungen, Möglichkeiten und Risiken aufgezeigt, die mit dem technologischen Fortschritt beim Wohnen eng verbunden sind. Eines steht für uns dabei fest: Technik darf nie Selbstzweck sein, sondern muss die Menschen auf eine Weise unterstützen, die ihnen mehr Sicherheit, Lebensqualität und Komfort bietet, aber gleichzeitig auch ein ausreichendes Maß an menschlicher Pflege und Betreuung zulässt – und zwar zu vertretbaren Kosten, sowohl für die Allgemeinheit als auch die Menschen mit Behinderung selbst. Nicht zuletzt müssen die Nutzer der Technik außerdem stets die Kontrolle über ihre Daten behalten – das ist gerade im Zuge der Digitalisierung ein wichtiger Aspekt.

„Technik darf nie Selbstzweck sein, sondern muss die Lebensqualität der Menschen verbessern.“

Um uns dem komplexen Thema zu nähern, haben wir mit vielen Expertinnen und Experten gesprochen – zum Beispiel über die Auswirkungen des Technik-Booms in der Pflege und Betreuung und über das, was die Zukunft bringen könnte. Außerdem kommen im Dossier auch immer wieder Menschen zu Wort, die in ihrem täglichen Leben schon ganz direkt von neuen Ideen und Technologien profitieren. Ein großer Impuls für uns, große eigene Projekte in diesem Bereich auf die Beine zu stellen, hat übrigens unser sogenanntes „10-Millionen-Bauprogramm“ gegeben, mit dem wir schon im Jahr 2008 gestartet sind. Die Kernaufgabe des Programms war es damals, Wohnprojekte für Menschen zu konzipieren und zu bauen, die zu Hause eine ambulante Betreuung brauchen. Zwei weitere wichtige Aspekte sind seit dem Startjahr noch hinzugekommen: Die Einbindung der Menschen in ihren Sozialraum und eine individuelle Unterstützung durch Technik.

Auf alle drei Schwerpunkte zugleich konzentriert sich jetzt ein zweites Bauprogramm, das wir ab dem Jahr 2017 wieder mit zehn Millionen Euro fördern wollen – gemeinsam mit unserer Tochtergesellschaft, der Westfälisch-Lippischen Vermögensverwaltungsgesellschaft (WLV). Damit wollen wir Impulse auf den Wohnungsmärkten setzen, deren Lage in vielen westfälisch-lippischen Kreisen und kreisfreien Städten sehr angespannt ist. Außerdem wollen wir damit das langfristige Ziel erreichen, dass auch Menschen mit schweren Behinderungen, die viel Unterstützung benötigen, möglichst selbstständig und damit auch selbstbestimmt wohnen können – so fordert es die UN-Behindertenrechtskonvention.

Für die innovativen Ideen, die mit technikunterstützten und in Sozialräume integrierten Wohnkonzepten verknüpft sind, werden wir uns weiterhin einsetzen und dafür werben. Solche Konzepte umzusetzen, kostet immer mehr Geld, nicht zuletzt wegen der sehr erfreulichen Entwicklung, dass Menschen mit Behinderung dank des medizinischen und technischen Fortschritts immer älter werden. Wir fordern daher aber auch umso mehr von der Politik in Berlin, auf künftige gesellschaftliche Entwicklungen wie diese zu reagieren und entstehende Kosten mitzufinanzieren, damit wir gemeinsam die besten, sichersten und selbstbestimmten Wohnmöglichkeiten für alle Menschen schaffen können.

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